Jurasteig - the final four
20 Juni 2019 Deining - bis in den Sonnenuntergang
Nachdem im Frühjahr unsere Kadaver schlapp gemacht haben starten wir übers lange Wochenende noch einmal. Es fehlen schließlich noch die letzten (Kilo)Meter! Diesmal ist der Wetterbericht eindeutig unvorhersehbar. Temperaturen von bis und mit ohne Gewitter. Naja mal schaun.
Also wieder rein in die RB und ab nach Deining (Oberpf).
Wir beginnen auf vertrauten Wegen. Zurück bis zur Eisenbahnbrücke und zurück auf den Jurasteig. Der Weg selbst ist erstmal keine Herausforderung, wohl aber die Hundertschaften an winzigen Fröschen, die gerade auf Wanderschaft sind. Ich fürchte einem habe ich das Leben genommen -es tut mir unendlich leid! Es wird etwas trockener, der Wald lichtet sich, bleibt aber dunkel, da die Nadelbäume ein dichtes Dach bilden. Mit der Trockenheit verschwinden die Frösche und auch die lästigen Stechtiere. Die Luft ist deutlich angenehmer, kühler und weniger feucht hier im Nadelwald. Sobald man aber den Wald verlässt schlägt einem die schwüle Hitze entgegen.
Wir laufen durch das Tal der Laaber mit seinen weitläufigen Sumpflandschaften bis wir die Sippelmühle erreichen -Pächter gesucht. Geht ja schon wieder gut los! Hinter der Sippelmühle folgen Kreismühle und Biermühle. So vielversprechend es klingt, es gibt dort kein Bier...
Wie die zahlreichen Mühlen vermuten lassen, erreichen wir das "Land der 1000 Quellen". Etwas übertrieben vielleicht, aber es gibt wirklich viele kleine Quellen und auch immer wieder größere Quellfassungen.
Ein Windstoß bringt uns kurzzeitig einen Schwung Internet. Die Wetter-App bestätigt uns, was Wolken und leises Grummeln hinter uns schon erahnen ließen. Wenn die App recht behält trifft uns die Gewitterfront gegen halb sechs. Wir legen einen Gang zu, durchqueren das Simbachtal und erklimmen Hermannsberg. Die Marienquelle wird registriert, aber nicht weiter beachtet. Ab jetzt führt der Weg durch den Wald oberhalb der Unterbürger Laaber. Wir halten fortwährend Ausschau nach einem Unterschlupf, finden aber wenig Zufriedenstellendes und hoffen auf eine Brücke kurz vor Holnstein. Am Ende landen wir tatsächlich unter der Brücke. Es beginnt zögerlich zu tröpfeln, dann gehen die Schleusen auf und Zeus lässt seinem Ärger freien Lauf -alles richtig gemacht. Wie die Hobos machen wir es uns mit unseren Schlafsäcken unter der St2251 gemütlich.
Nach gut einer Stunde lässt der Regen nach, das Grummeln zieht weiter und Wald fängt an zu dampfen. Die Füchse sind aber fleißig am Küchel backen!
Der Gasthof in Holnstein hat leider geschlossen. Zumindest hat er prinzipiell offen, nur leider heute eben nicht... Wir folgen den Schildern, verlaufen uns (vermeintlich), kehren um und folgen dem GPS-Track. Wie sich herausstellt, wurde die Streckenführung nicht nur bei Kastel geändert, sondern auch hinter Holnstein. Natürlich hatte ich den alten Track geladen. Bei Erbmühle treffen wir wieder auf den markierten Weg, also sei´s drum.
Wir folgen der Weißen Laaber, kreuzen sie hier und da und beschließen so langsam nach einem guten Plätzchen für die Nacht Ausschau zu halten. Mit ausreichend Distanz zu einer kleinen, idyllisch gelegenen Ortschaft stellen wir unser Zelt durch etwas Grün geschützt auf. Mittlerweile ist es nach Neun. Obwohl wir erst gegen Mittag auf der Piste waren, haben wir heute fast 30 km geschafft. Das wird sich morgen rächen...
21. Juni 2019 Riedenburg wir kommen!
Hallo Muskelkater! Und hallo Sonne! Das Tal dampft, die Sonne hüllt die Nebelschwaden in Orange- und Rottöne. Henning macht Frühstück. Kaffee du schwarzes Gold! Ich packe in der Zeit unser Nachtlager zusammen, die Aufgaben sind klar verteilt. Wir starten gemütlich gegen neun. Bis Dietfurt sind es schätzungsweise 7-8 km, wir können uns also Zeit lassen. Nach nur wenigen Metern treffen wir einen Bauern beim Holzholen. Die Verwunderung steht ihm ins Gesicht geschrieben -mit Edding!
Es geht weiter durch das Tal der Weißen Laaber bis wir schließlich Diefurt und das Internet erreichen. Sofort werden Freunde, Familie und soziale Medien gefüttert -was für eine Liste...
In Dietfurt gibt es das erste Radler für uns, ein ordentliches Mittagessen und ein paar Vorräte. Durch den Abstecher zum Supermarkt umrunden wir den Wolfsberg im Süden und treffen in Mühlbach wieder auf die altbekannten gelb-blauen Markierungen. Ein erster kurzer Anstieg bringt und auf halbe Höhe. Sozusagen als erstes Warm-Up für den folgenden Aufstieg. Zum zweiten Mal innerhalb 24h wünsche ich mir die 80er Jahre Schweißbandmode zurück. Der folgende Abstieg ist nicht weniger steil. Der Blick über das Atlmühltal ist die Anstrengungen aber auf jeden Fall wert. Auf einem Kalkfelsen legen wir eine Pause ein, genießen die Aussicht und beobachten das Gewitter im Süden. Wir haben Glück, bis zu uns kommt es nicht. Bis Meihern geht es gemütlich dahin. Hier wartet schon das nächste Radler auf uns. Müde vom Bier und der Sonne raffen wir uns wieder auf. Der Wetterbericht für morgen hat sich seit dem Mittag um 180° gedreht. Wir spielen mehrere Varianten und Optionen durch. Die Pläne ändern sich quasi um 5 min takt.
Wir verlassen das Altmühltal Richtung Obereggersberg. Der Aufstieg zieht sich etwas, ist aber schnell geschafft. Wir passieren ein nicht ganz kleines Schloss mit riesigem Schlosspark und so langsam beginnt wieder der Abstieg. Nach langem Grübeln entscheiden wir uns doch bis Riedenburg durchzulaufen. Allerdings nehmen wir die Abkürzung. Die Wettervorhersage ist ein nicht unerheblicher Grund dafür. Momentan sieht es für morgen wirklich schlecht aus. Und im Falle das Wetter bleibt so, haben wir die Möglichkeit ab Riedenburg mit dem Schiff bis Kelheim zu fahren. Der andere Grund ist der Campingplatz. Damit entgeht uns sicherlich ein durchaus schöner Teil der Tour, aber so sind wir am flexibelsten.
Zwischen Jägerfelsen und Burgruine steigen wir also nach Riedenburg ab. Der Campingplatz liegt unweit unserer Route. Wir schleppen uns zur Rezeption, bestellen uns ein Bier und lauschen den kritischen Beobachtungen und Urteilen der wachsamen Dauercamper. Fast würde es mich interessieren, was es morgen über uns zu berichten gibt.
22. Juni 2019 Riedenburg - Kelheim via Weltenburg
Der Regen heute Nacht ist ausgeblieben und auch die Vorhersage für heute hat sich gebessert. Zum Leidwesen von Henning habe ich den Eindruck. Also neuer Plan: wir laufen bis Essing, oder wenn das Wetter hält bis Weltenburg, den Rest legen wir per Schifferl zurück.
Wir verlassen Riedenburg Richtung Süden auf einem kleinen Pfad auf halber Höhe des Hanges. Kurz unterhalb der Lohspitze teilt sich der Weg. Die Variante durch die Klamm wird mit "schwerer Steig" und "akute Steinschlaggefahr" beworben, wir sind gespannt.
Der Pfad führt weiter durch Buchenwald. Die Kalksteinformationen rücken immer näher zusammen bis wir uns zwischen den Felsen hindurchzwängen müssen. Die schwierigsten Stellen des Weges sind gut befestigt und mit Geländern gesichert. Alles unkritisch, aber natürlich ein Unterschied zu den gemütlichen Wanderwegen bisher.
Die Felsformationen sind wirklich imposant und regen die Fantasie an. Kein Wunder, dass man früher versteinerte Löwen, Jungfrauen und andere Wesen gesehen haben will. Am höchsten Punkt hat man eine tollen Blick auf die Burg Prunn und das Altmühltal. Wir legen eine Rast ein und genießen mal wieder einfach nur die Aussicht!
Es nährt sich die Gewissheit, dass wir auf den nächsten Anstieg Blicken. Der Jurasteig führt durch das Tal und auf der anderen Seite vorbei an der Burg Prunn. Der Aufstieg auf der anderen Seite muss ohne Pausen gemeistert werden. Sobald man stehen bleibt, wird man von unzähligen Mücken attackiert. Oben belohnen wir uns mit einer Ladung Insektenschutz und einem kühlen Spezi aus dem Automaten. Wir erschrecken etwas bei dem Blick auf die Uhr. Wir haben erst gut 6 km hinter uns. Bis Essing läuft sich der breite Waldweg aber wie ein Highway. Am Felshäusl werden wir umgeleitet. Das spart uns ein paar Meter, wir verpassen aber auch die Karstquelle.
Bisher hält das Wetter, also entscheiden wir uns bis Weltenburg weiterzulaufen. Wir überqueren ein letztes Mal die Altmühl über den Tatzelwurm. Auf der anderen Seite erwartet uns Ernüchterung. Weltenburg noch 7,5 km. Wieder auf der Südseite geht es am Waldrand entlang. Über den Jurafelsen im Norden hängen dunkle Wolken und der Wind frischt auf. Es scheint aber, als hätten wir wieder Glück. Der Weg bis Altessing zieht sich. Das Stück hatte ich deutlich kürzer im Kopf. Außerdem drückt das Wetter und wir werden gerade von Mücken vollkommen aufgefressen. Der Nachteile der idyllischen mit Seerosen bestückten Altarme… Nur durch ungesunde Mengen Autan lassen sich die Viecher in Schach halten, aber eine findet immer einen ungeschützten Flecken.
Endlich kommt die lang ersehnte Rechtskurve, die uns vom Wasser wegbringt. Eigentlich wäre der Abschnitt schön. Links die Seerosen, rechts die hohen Klippen (Kletterfelsen). Fotos gibt es von diesem Abschnitt leider keine. Stehenbleiben war keine Option!
Ein letzter Anstieg bringt uns auf den Keltenwall und der quasi auf direkten Wege nach Weltenburg. Leider kleben die Mücken noch immer an uns wie der Pumuckel am Holzleim.
Die letzten Kilometer laufen wir beide wie im Tunnel: Hunger, Mücken, Füße, Mimimiiii
Wir setzten mit dem Kahn über. Weiter unten legt ein Ausflugsdampfer an. Der Wunsch unbedingt vor den Insassen anzukommen setzt ungeahnte Kräfte frei. Geschafft! Sitzplatz, Bier, Haxe.
Wir lassen uns bis zum Hohlen Stein mit dem Kahn schippern. Die letzten Kilometer bis Kelheim sind kein Problem.
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